Gleitschirm-Tandemflug

Ich habe es getan! Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich in den Abgrund gestürzt. Seit langer Zeit stand ein Gleitschirm-Tandemflug auf meiner Bucket List und ich wollte mir diesen Traum endlich erfüllen. “Warum stürzt man sich von einem Berg?” wird sich so manch einer von euch fragen. Weil es ein atemberaubendes Gefühl ist! Aber fangen wir erstmal am Anfang an… 

Ich stehe auf 1720 Metern Höhe in den Allgäuer Alpen und blicke in den Abgrund. Ein kleiner Grasvorsprung ist vor mir und danach kommt nur noch eins: Luft. Es ist einer der heißesten Tage des Sommers 2019 und ich stehe bei 30 Grad allen Ernstes in langer Kleidung, Jacke und dicken Wanderschuhen in der prallen Sonne. Dazu kommen noch Gurte, die mich von meinem Oberkörper bis zu den Knien fest einschnüren. Ich denke kurz zurück an den verhängnisvollen Anruf, den ich drei Tage vorher getätigt habe, um diesen abenteuerlichen Termin zu vereinbaren. Jetzt ist an Rückzug nicht mehr zu denken. Bei dem Anblick des Abgrunds vor mir machen meine Eingeweide Purzelbäume und ich zittere am ganzen Körper. Mein Freund (der ganz sicher hinter einem Zaun steht) lächelt mich an und zeigt mir Daumen hoch. Ich würde jetzt gerne mit ihm tauschen.  

Nach der Sicherheitseinweisung erklärt mir mein Pilot Adriano noch die aktuelle Windsituation. Es sei momentan zu viel Wind, deswegen müssen wir noch ein bisschen warten. Na toll. Also stehen wir zu zweit in voller Montur auf der Startbahn und ich darf den Ausblick noch ein bisschen “genießen”. Ich warte angespannt auf mein Startzeichen. “Wenn ich JETZT sage, muss du mit deiner ganzen Kraft auf den Abgrund zulaufen”, hatte mir Adriano vorher erklärt. Nichts leichter als das. Ich stelle mir das ganze wie in einem Comic vor. Die Zeichentrickfigur läuft über den Abgrund, bleibt noch drei Sekunden in der Luft stehen und rauscht dann in die Tiefe. So wird es bei mir hoffentlich nicht ablaufen.  

Dem Abgrund entgegen

Als mein Startzeichen endlich kommt, schalte ich meinen Kopf aus und renne einfach mit voller Kraft ins Nichts. Ich erkenne gar nicht den Moment an dem meine Füße keinen Untergrund mehr spüren, da wir schon schweben. Im ersten Augenblick bekomme ich nur ein leises “wuuuh” aus mir raus. Ich fliege. Mit unserem Gleitschirm schrauben wir uns aufgrund der guten Thermik immer weiter nach oben.

Bis auf 2.000 Meter Höhe gleiten wir durch die Luft. Wir schweben über das Schloss Neuschwanstein, umkreisen Gipfelspitzen und neben uns fliegen Vögel. Komplett schwerelos ohne Ballast oder Technik. Hier oben ist es zehn Grad kühler als unten im Tal. Der Wind weht einem ins Gesicht und man kann die unglaubliche Aussicht genießen. Auf einmal habe ich einen ganz anderen Blickwinkel auf die Allgäuer Alpen, die ich eigentlich schon seit meiner Kindheit kenne. Nach über einer halben Stunde gleiten wir langsam immer tiefer bis wir auf der Landebahn ankommen. Nun spüre ich wieder festen Boden unter den Füßen. Ein ganz komisches Gefühl. Auf meiner Urkunde, die ich im Anschluss bekomme, steht “I know why birds sing” – das weiß ich nach dieser unglaublichen Erfahrung wirklich.  

In den Allgäuer Alpen gibt es viele Anbieter für Gleitschirm-Tandemflüge oder Kurse. Der Tegelberg ist wegen seiner Höhe, der besonderen Aussicht und der vorherrschenden Thermik sehr beliebt bei Gleitschirmfliegern. Ich habe mich für die Flugschule Aktiv entschieden, weil sie meiner Meinung nach das beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat. Ich habe auch noch kurzfristig einen Termin bekommen, wurde ausführlich beraten und vor Ort gut betreut.